MONIKA   ROUSSELLE

  1949 Abitur in Garmisch-Partenkirchen.
1950 bis 1956 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei den Professoren Teutsch, Geitlinger und Fuhr.
1968 bis 1973 Lehrtätigkeit in Kairo/Ägypten.
1973 Wohnsitz in München.
Zahlreiche Reisen führten die Malerin durch Europa, Afrika, den Orient und Ostasien.
Über 100 Ausstellungen im In- und Ausland.

Gespannte Formen, leuchtende Farben bestimmen ausdrucksstark die Bildkomposition von Monika Rousselles Werken.
Für die Malerin wurde der fünf jährige Aufenthalt in Ägypten zu einem tiefen Erlebnis. Anders als das Licht der Provence, das alles farbiger erscheinen lässt, zerschneidet für Monika Rousselle die gleißende Sonne Ägyptens die Farbflächen in Weiß, Gegenstandsfarbe und Schwarz. Ihre Bilder aus den Jahren 1968 bis 1973 sind großformatig, kraftvoll. Innere Gespanntheit drängt die Flächen zu einem klaren, eindeutigen Umriss. Das Dargestellte ist angeschnitten, vergrößert. Weiß im Kontrast zu starken Farben bestimmt Rhythmus und Aufbau des Bildes. 1973, zurückgekehrt nach München, konfrontiert mit der täglichen Wahrnehmung unseres diffusen Lichts, den vielfältigen Nuancen von Grün und Blau und der Vielschichtigkeit der abendländischen Problematik-, blieb es nicht aus, dass sich ihre Malerei wandelte, weicher wurde, transparenter, räumlicher und tiefer. Nun scheint es, als würden aus einem weiten Hintergrund Mensch, Tier, Frucht oder Pflanze im Vordergrund greifbar Gestalt annehmen, von geheimnisvollem Leben erfüllt, aber wie durch Magie in eine Geste gebannt, in der sie verharren. Das unendlich Unfassbare verdichtet sich zu magischen Figuren.
Der Betrachter erlebt, wenn er die Bilder auf sich wirken lässt, daß sie seine eigenen Träume und Assoziationen wie ein Spiegel auffangen und reflektieren.
Monika Rousselles Kunst ist kraftvoll — kreativ, magisch — realistisch.

Anfang der 90ziger Jahre begann sie mit Spiegeln und Spiegelsplittern im Bild zu arbeiten. Der gemalte Spiegel durchzieht als Motiv die ganze Geschichte der Kunst. Aber die Kombination gemaltes Bild und realer Spiegel ist neu - in dieser Weise hat noch niemand gearbeitet.
Der Betrachter, indem er sich im Bild spiegelt, gestaltet das Bild mit, er ist in doppelter Bedeutung mit einbezogen. So entsteht ein Dialog zwischen ihm und dem Bild. Schon durch sein Hinzutreten verändert er das Bild, und mit jeder seiner weiteren Bewegungen sieht er sich im Spiegel und setzt sich in Beziehung zu dem gemalten Bild, das den Spiegel umgibt, und dazu kommt der gespiegelte Raum. Kinetische Elemente werden mit statischen kombiniert.
Indem der Betrachter sich illusionär erlebt, ganz oder zerteilt reflektiert wird, werden Empfindungen und Assoziationen bei ihm ausgelöst, durch die eine neue Dimension entsteht.
Visuelles und Visionäres verschmelzen.


Mitte der 90ziger Jahre begann Monika Rousselle mit dem Farbholzschnitt. Der Farbholzschnitt ist eine sehr zeitaufwendige Technik. Zunächst muss man die Holzschneidekunst beherrschen, das älteste Verfahren der Druckgrafik überhaupt: Mit verschiedenen Schnitzmessern werden Linien und Strukturen in Holzbretter geschnitten oder ganze Flächen abgehoben, so dass nur jene Formen erhaben stehen bleiben, die gedruckt werden sollen. Der Farbholzschnitt entsteht durch das Übereinanderdrucken mehrerer passgerechter Platten, von denen jede eine eigene Farbe trägt. Daher muss für jede Bildstelle, die einer bestimmten Farbe zugeordnet ist, ein eigener Druckstock geschnitten werden.
Der Druck kann natürlich in Form eines Handabzugs erfolgen, das heißt: die Farbe drückt sich durch das Reiben der Hand auf der Rückseite des Papiers, das der eingefärbten Holzplatte aufliegt, allmählich ab. Hierfür muss die Farbe vorher sehr dick aufgewalzt werden. Die Farbigkeit solcher Drucke wirkt daher kompakt und kontrastreich hart, wie wir sie von den Expressionisten, etwa Kirchner, Heckel oder Munch, her kennen. Auch bei dieser Technik ist die Anzahl der verwendeten Farben auf etwa vier begrenzt.
Ist aber die Intension ein vielfältigeres, nuancenreicheres Kolorit bei gleichzeitig größerer Transparenz der Farben, so ist dies nur unter Verwendung einer Druckerpresse zu erzielen. Denn nun können die einzelnen Farbschichten dünner aufgetragen werden. Die erste trocknet sehr rasch, da das Papier die ölhaltige Farbe noch gut aufsaugen kann. Die nächsten beiden Schichten kann man dann noch im Abstand von ein, zwei Tagen darüber drucken. Aber bei jeder weiteren Farbschicht muss man länger warten, bei der sechsten oder siebten sogar bis zu einer Woche. Durch die Transparenz der einzelnen Farbschichten kommt es zu unterschiedlichen Nuancen, überraschenden Farbschichten.
Die ganze Pracht und Vielfalt ihrer Holzschnitte, die mitunter an den Reichtum von Brokatstoffen erinnern, erschließen sich nur demjenigen, der genau hinsieht.

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